Huganir # 68037

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Location
Reykjavík
Date
1943
Condition
Binding
Gedanken. Essaysammlung von Guðmund Finnbogason.
Guðmund Finnbogason gibt seine Gedanken heraus, eine Sammlung von Aufsätzen aus vier Jahrzehnten, im Alter von siebzig Jahren. "Wenn ich diese Gedanken jetzt der Reihe nach lese," schreibt er im Vorwort, "erscheinen sie mir tatsächlich als Teile eines und desselben Strebens, als hätte ich mein ganzes Leben lang nur denselben Stein bearbeitet." Und das ist auch wahr: Obwohl Guðmunds Themen sich im Laufe eines langen Lebens etwas gewandelt haben, ist seine Sichtweise und geistige Haltung unverändert geblieben.

Im Greisenalter ist er genauso hoffnungsvoll wie in seiner Jugend, ebenso bereit, auf seine Vernunft zu vertrauen, um sich mit tieferen Fragen auseinanderzusetzen, nicht weniger als mit alltäglichen Phänomenen wie den Gesichtszügen junger Mädchen. Und er scheint ebenso bereit zu glauben, dass das, was wahr und recht ist, schön und gut, am Ende siegreich sein wird. Er glaubt gewiss, dass jene weibliche Tugend, die er aus der Tiefe der Vorzeit heraufholt, das Wesen der Áslaugur, stärker sein wird als die noch ältere wilde Natur der Frau, die sich in ihren Gesichtszügen zeigt. Und wer seine Beschreibung der Áslaugur liest, wird sich schwer weigern können, mit ihm zu glauben. Wenn es einen Unterschied gibt, liegt er vielleicht darin, dass Guðmund in seinen älteren Essays frohe Botschaften von Wissenschaft und Bildung, Heldentum und Fleiß verkündet – kurz gesagt: von der Tugend jener Männer, die tapfer sind und vorankommen – während er in seinen späteren Essays mit noch tieferem Sinn in den Essays "Wahrheit, Schönheit und Güte" (1936), "Glaube und Wissenschaft" (1936) und "Das, was vom Geist geboren ist" (1941) ringt, in der Hoffnung, noch dauerhaftere Werte zu erkennen als jene, die den meisten Menschen offensichtlich sind. Aber der Geist der Vitalität, die Witzigkeit und Geistesgegenwart und das Wissen in der isländischen Literatur alt und neu sind in Guðmunds Schriften immer sich selbst gleich. Man wird schwer Aufsätze finden, die witziger sind als etwa "Der Kobold und der Kuhvirt" oder "Die Fischköpfe und das Volk", doch allem Witz Guðmunds liegt ein gewisses Ernsts bei. Man wird auch schwer Aufsätze finden, die zierlicher auf Isländisch geschrieben sind als der Aufsatz "Über die 'akta'-Schrift", weshalb er mit Recht lange als einer der vollkommensten Aufsätze Guðmunds angesehen wurde. Ich bin aber der Ansicht, dass die Isländer keine bessere Moralpredigt haben als den Aufsatz über "Tugend", denn Guðmund zeigt nirgendwo besser als darin, wie die Isländer noch immer unter dem starken Einfluss der Vorzeit stehen.

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